| Um traditionellen Bildungsverteilungen entgegenzuwirken stellten sich die Erzieherinnen des integrativen Kindergartens St. Monika in Lüdinghausen-Seppenrade der Herausforderung „Jungen und Mädchen durch eine vorbereitete Umgebung so [zu] fördern, dass sie für ihre weitere Bildungskarriere mindestens die gleichen Ausgangschancen haben.“
Im Rahmen des Projektes „Technische Früherziehung“ der Fachschule für Sozialpädagogik des Richard-von-Weizsäcker-Berufskollegs wurde im Jahr 2002 ein Forscherlabor im Kindergarten eingerichtet. In den sechs Werkstattbereichen des Labors können die Kinder sowohl selbständig als auch in geleiteten Situationen zu Themen wie Wasser, Magnetismus, Elektrizität, Planetensystem und Informatik forschen. Dabei spielen die anregende und unterstützende Gestaltung der Labore sowie ein für Kindergartenkinder ansprechendes und motivierendes Materialangebot eine zentrale Rolle.
Den Erzieherinnen ist schnell aufgefallen, dass sich hauptsächlich die Jungen in den Werkstätten mit naturwissenschaftlichen und technischen Themen auseinandergesetzt haben. Die Feststellung, dass 50% des Forscherpotenzials bereits im Kindergartenalter auf der Strecke bleibt, war für die ErzieherInnen Auslöser dafür, sich dem Genderaspekt im Bereich Naturwissenschaft und Technik zu widmen und ihre eigene Arbeit an geschlechtsspezifischen Unterschieden und Bedürfnissen auszurichten.
Im Integrativen Kindergarten St. Monika wird der Begriff „Gendermainstreaming“ als Grundeinstellung und Haltung verstanden, die in der pädagogischen Arbeit auf eine gleichberechtigte Bildung und Förderung beider Geschlechter zielt. Geschlechtsspezifische Unterschiede werden anerkannt, um dann „alle pädagogischen Themen entsprechend den Neigungen beider Geschlechter so aufzubereiten, das sie sowohl von Mädchen wie auch von Jungen zur Entwicklung ihrer Kompetenzen genutzt und nicht aufgrund von Rollenzuschreibungen oder gar mangelhafter Aufbereitung gemieden werden.“
Als Konsequenz der Auseinandersetzung mit dem Genderaspekt im Bereich Technische Früherziehung, wurden die Forscherlabore umgestaltet, um eine einladende Atmosphäre zu schaffen, auf die vor allem Mädchen Wert legen. Zudem wurden Materialien und Methoden umgearbeitet, so dass auch im Bereich Naturwissenschaften und Technik die Neigungen und Interessen der Mädchen angesprochen werden. So wird das Thema „Stromkreis“ beispielsweise durch die Beleuchtung eines Puppenhauses erarbeitet. Aufgrund der Feststellung, dass Mädchen und Jungen sich auch in ihren Herangehensweisen unterscheiden – Mädchen planen häufig erst einmal auf verbaler Ebene, während Jungen oft gleich ausprobieren und experimentieren wollen – gibt es auch zum Teil getrennte, geleitete Angebote. Auf die Frage, ob mit solchen Maßnahmen Genderklischees nicht bedient werden, antwortet der Kindergarten St. Monika „– aber warum nicht? Wenn sie zu so einem großen Ziel führen? Nämlich 50% des deutschen Forscherpotenzials für die Ewigkeit zu retten?“
Quelle
Borgmann, Nicole (März, 2006). Einstein sucht weibliche Nachfolge – Ein Projekt des integrativen Kindergartens St. Monika in Lüdinghausen-Seppenrade. Wissen & Wachsen, Schwerpunktthema Naturwissenschaft und Technik, Praxis.
Verfügbar über: www.wissen-und-wachsen.de |